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Soldatenmesser Modell 1890 Typ I

1889 wurde ein neues Gewehr für die Schweizer Armee entwickelt und eingeführt, das sogenannte Modell 89 oder Schmidt-Rubin-Gewehr, welches den alten Typ Vetterli ablöste. Für das Vetterli-Gewehr benutzten die Soldaten einen speziellen dreiteiligen Schraubendreher, welcher in der Patronentasche mitgeführt wurde, gemeinsam mit einem Messer und einem Büchsenöffner. Das neue Gewehr war deutlich einfacher im Zusammenbau und bei der Zerlegung bedurfte es nur eines einfachen Schraubendrehers. Die Technische Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung der Schweizer Armee regte an, den Rekruten ein solides Taschenmesser zu geben, welches neben einer guten Messerklinge einen einfachen Schraubendreher sowie eine Reibahle aufwies, welche ebenfalls bei der Gewehrreinigung benutzt wurde. Dieses Taschenmesser sollte den bisherigen komplizierten Schraubendreher ablösen. Es wurden bei der Firma Wester & Co im deutschen Solingen zwei Modelle bestellt und in den Rekrutenschulen getestet, eines mit drei und eines mit vier Werkzeugen. Das vierteilige wies neben den drei genannten Werkzeugen auch einen Büchsenöffner auf. Da dieses Modell nur unwesentlich teurer war als das dreiteilige und man den Büchsenöffner als willkommene Beigabe mit Nutzen für den Felddienst sah, wurde dem Bundesrat das vierteilige Taschenmesser zur Genehmigung vorgeschlagen. Am 6. Dezember 1890 beschloss der Bundesrat die Annahme des Modells mit vier Klingen. Den Rekruten sollte das Taschenmesser gratis bereitgestellt werden und es war somit offizieller Ausrüstungsgegenstand. Der Ankaufspreis war fix 1,70 CHF pro Stück. Die anderen Soldaten sowie die Offiziere konnten freiwillig bei dem Gewehraustausch entweder den alten Schraubendreher behalten oder gegen einen Preis von 1 CHF dieses Soldatenmesser erwerben.

Die technische Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung erhielt den Auftrag, die Soldatenmesser zu beschaffen. Dies geschah aus Gründen der Entlastung der Waffenfabriken, welche mit dem neuen Gewehr genug zu tun hatten. Bezugsberechtigt waren rund 200.000 Personen. Man schätzte, dass rund zwei Drittel davon ein Soldatenmesser kaufen würden, wollte aber zu Beginn nicht zu hoch kalkulieren, und rechnete mit einem Drittel. Hinzu kam eine Menge für die Rekruten von 1892 und das Depot für insgesamt 25.000 Personen, was eine erste Beschaffungsmenge von 94.078 Stück ausmachte. Man überlegte sich, ob man nicht die inländische Messerindustrie berücksichtigen wollte, war sich aber im Klaren darüber, dass diese nicht auf eine solche Grossfabrikation ausgerichtet war.

Es wurde schlussendlich beschlossen, 15.000 Soldatenmesser bei Wester & Co in Solingen für das Jahr 1891 zu bestellen. In diesem Jahr sollten nur diejenigen Bataillone damit ausgestattet werden, welche das neue Gewehr erhielten. Zudem war man gegenüber dem Hersteller Wester & Co zu einer Bestellung verpflichtet, da dieser die brauchbaren Modelle für den Test geliefert hatte. Die erwarteten 25.000 Rekruten im Jahr 1892 sollten alle ein Soldatenmesser erhalten, und wenn es der Bestand im Frühjahr 1892 zuliess, sollten auch alle eingeteilten Mannschaften der Wiederholungskurse freiwillig für den Kaufpreis von 1 CHF ein solches Messer erwerben können. Die technische Abteilung wurde zudem beauftragt, mittels einer Publikation die inländischen Messerschmiede anzusprechen, um sie zu einer Beteiligung an den Lieferungen zu gewinnen, sofern sie mindestens 1.000 Stück zum festgelegten Preis herstellen konnten. Mit Ausnahme von Wester & Co wollte man die ausländische Konkurrenz nicht berücksichtigen.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es einige Messerschmieden in der Schweiz. Diese waren jedoch klein, regional tätig und nicht untereinander vernetzt. Wie bereits oben beschrieben, war keiner der Messerschmiede auf eine Grossproduktion ausgelegt. Im Vergleich zu Deutschland (Solingen), Frankreich (Thiers, Nogent) und England (Sheffield) hatte sich in der Schweiz kein Zentrum für Messerschmiede und Schneidwaren gebildet und die Industrialisierung steckte noch in den Kinderschuhen. Somit war wohl keiner der Betriebe in der Lage, die geforderte Menge von mindestens 1.000 Stück für den besagten Preis herzustellen. Karl Elsener, seit 1884 in Ibach als Messerschmied tätig, gründete mit rund 30 anderen Messerschmieden daraufhin im Jahr 1891 den Verband Schweizerischer Messerschmiede, abgekürzt SMV. Gemeinsam erhielten sie tatsächlich den Auftrag, für die Schweizer Armee ab dem Jahr 1892 Soldatenmesser herzustellen. Neben Wester & Co lieferte auch Daniel Peres, ebenfalls aus dem deutschen Solingen, Soldatenmesser für die Schweizer Armee. Möglicherweise vertraute man dem neu gegründeten Verband eine solche Grossproduktion noch nicht zu, oder aber die Lose zu je 1.000 Stück wurden an alle Interessenten vergeben. Wer nun genau wie viele Stück in welchen Jahren herstellte, ist unklar. Das Soldatenmesser Modell 1890 Typ I wurde bis 1901 hergestellt. Wenn man pro Jahr mit ca. 25.000 Rekruten rechnete sowie einem Drittel kaufwilliger anderer Militärangehörige, kommt man auf ca. 320.000 Stück Soldatenmesser Modell 1890 Typ I welche für die Schweizer Armee hergestellt wurden.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Schweizer Messerschmiede es bezüglich Preis und Qualität gegenüber der ausländischen Konkurrenz schwer gehabt hatten. Es brauchte eine sehr gute Vernetzung und enge Zusammenarbeit innerhalb des Verbandes. Es wird immer von verschiedenen Schweizer Herstellern des Soldatenmessers 1890 gesprochen, von Elsener Schwyz, Stadler Zug, Forges L. & C. Vallorbe, Pfenninger Uetikon etc. Alle Indizien deuten jedoch darauf hin, dass es nicht separate unabhängig voneinander operierende Messerschmiede gab, sondern die verschiedenen Aufgaben innerhalb des Messerschmiedeverbandes vergeben wurden. Ein Messerschmied zusammen mit ein bis zwei Angestellten wäre unmöglich in der Lage gewesen, für diesen Preis 1.000 Stück Soldatenmesser völlig selbstständig zu fertigen. So brauchte es eine klare Arbeitsteilung. Die einzelnen Messerschmiede stellten einzelne Werkzeuge her oder machten einzelne Arbeitsschritte, andere wiederum übernahmen den Zusammenbau etc. Aus den Dokumenten der Schweizer Armee geht hervor, dass stets der SMV genannt wird, und nicht ein einzelner Hersteller. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Schweizer Armee direkt beim Verband Schweizerischer Messerschmiede bestellte. Dieser wiederum teilte die Fertigung unter den Mitgliedern auf. Dabei gab es immer kleine Abweichungen, da noch viel Handarbeit notwendig war. Es war offensichtlich den Messerschmieden selbst überlassen, die entsprechenden Prägestempel anzubringen. Denkbar ist, dass die Werkzeugrohlinge, die Schalen etc. an einzelnen Orten produziert wurden, und einzelne Messerschmiede den Zusammenbau und den Schliff erledigten, allenfalls auch die Härtung der Klingen. Dabei prägten sie ihre Soldatenmesser mit ihrem Herstellerzeichen. Die häufigsten Prägestempel sind Elsener Schwyz und Forges L & C Vallorbe neben den deutschen Herstellern Peres und Wester & Co. Sicher ist, dass Messerhandlungen und sogenannte Agenten bei der Beschaffung ausgeschlossen wurden, weshalb die Prägestempel immer auf einen Messerschmied und keine reine Verkaufsstelle hindeuten. Wer nun genau wie viel an einem Soldatenmesser arbeitete, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mehrere Messerschmiede gemeinsam an der Fertigung beteiligt waren. Deshalb kann man nicht sagen „dieses Messer ist von Hersteller A oder B“. Bestimmte kleine Messerschmiede zogen sich im Laufe der Zeit zurück. Durchgesetzt und wahrscheinlich am besten angepasst und auf automatisierte Prozesse umgestellt hatten sich –neben den beiden Solinger Herstellern – Elsener Schwyz (Victorinox) und Forges L & C Vallorbe sowie ab dem Modell 1890 Typ II auch Coutellerie Suisse (Wenger Delémont).

Die Kriegsmaterial-Verwaltung nahm die Soldatenmesser entgegen und unterzog sie einer Prüfung. Anschliessend wurden die Soldatenmesser mit einem Kreuz auf der Schale versehen, das als Abnahmestempel fungierte. Dieses Kreuz konnte sowohl auf der vorderen wie auch auf der hinteren Schale eingeschlagen werden. 

Geschichte

Wie zuvor beschrieben, beginnt die Geschichte des Soldatenmessers Typ 1890 bereits einige Zeit vorher. Im Jahr 1890 entschied der Bundesrat darüber, dass die Schweizer Armee mit Soldatenmessern versorgt werden sollte. Das Mustermodell dieses Taschenmessers hatte die Firma Wester & Co in Solingen hergestellt, welches dann im Jahr 1890 oder schon 1889 in der Armee geprüft und als gut befunden wurde. Das erste Mal belieferte Victorinox 1892 die Schweizer Armee mit Soldatenmessern, wobei diese wohl hauptsächlich im Jahr 1891 hergestellt wurden, um im Frühjahr 1892 mit Beginn der Rekrutenschule verfügbar zu sein. Welche Anteile eines Soldatenmessers Typ 1890 mit einer „Elsener Schwyz“-Klingenprägung tatsächlich in Ibach gefertigt wurden, und welche Anteile andere Messerschmiede hatten, lässt sich nicht mehr sagen. Victorinox stellte dieses Modell bis 1901 her. Dann wurde es vom Typ II abgelöst. Da Victorinox sowie der gesamte Messerschmiedeverband (noch) nicht die gewünschte Gesamtmenge liefern konnte, gab es noch andere Hersteller aus Deutschland. Daraus lässt sich schliessen, dass Victorinox die (mit)produzierten Soldatenmesser für die Schweizer Armee ablieferte, und mit grosser Sicherheit keine weiteren für einen zivilen Markt vorhanden waren.

Funktionsteile

Das Taschenmesser Nr. 200 Modell 1890 verfügte über eine grosse Schneideklinge, eine Ahle, einen Schraubendreher sowie einen Büchsenöffner. Es gab das Modell nicht mit der Option Bügel/Schlüsselring. Alle Werkzeuge waren aus Kohlenstoffstahl gefertigt.

Materialstärke

Grosse Schneideklinge: 3,7 mm; Schraubendreher: 3,3 mm; Büchsenöffner: 2,8 mm; Ahle: 2,3 mm. Dabei gab es eine grosse Toleranz, welche so von der Kriegsmaterialverwaltung akzeptiert wurde.

Das Soldatenmesser wog ca. 144 Gramm.

Aufbau

Das Soldatenmesser Nr. 200 Modell 1890 Typ I war ein zweilagiges Taschenmesser. Um die Kopfniete drehten sich die grosse Schneideklinge und der Schraubendreher, um die Fussniete die Ahle und der Büchsenöffner. Eine Mittelniete fixierte die Rückenfedern.

Schalenmaterial

Victorinox verwendete als Schalenmaterial für dieses Soldatenmesser Eiche geschwärzt, möglicherweise auch dunkles Nussbaumholz.

Platinen/Zwischenlage/Niete

Die Mittelplatine und die Nieten bestanden aus Stahl, die Zwischenlage aus Messing.

Handelsname(n):Soldier, Soldatenmesser 1890, 1. Soldatenmesser

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