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Soldatenmesser Modell 08

 

1908 wurde ein neues Soldatenmesser für die Schweizer Armee entwickelt, das sogenannte Soldatenmesser Modell 08 (08 steht für das Entwicklungsjahr 1908). Wie es genau zu dieser Neuentwicklung kam, ist unklar. Auf alle Fälle blieb das Soldatenmesser von den Werkzeugen und der Beschalung her identisch wie der Vorgänger, das Soldatenmesser Modell 1890 Typ II. Allerdings wurden alle Werkzeuge neu designt, erhielten eine neue Form und wurden insgesamt schmaler und dadurch auch leichter. Das neue Soldatenmesser wog noch ca. 125 Gramm im Vergleich zu den 144 Gramm des Vorgängers. Alle Werkzeuge waren aus Kohlenstoffstahl gefertigt. Zu den genauen Unterschieden siehe Abschnitt Soldatenmesser Modell 1890 Typ II.

Das Soldatenmesser Modell 08 war eine Erfolgsgeschichte. Es hielt sich bis ins Jahr 1950 unverändert.

Von Seiten der Kriegsmaterial-Verwaltung schien man inzwischen überzeugt davon, dass die Schweizer Messerschmiede den Bedarf an Soldatenmessern decken konnten. Bei der neuen Vergabe wurden die deutschen Messerproduzenten nicht mehr berücksichtigt. Die wichtigsten Hersteller zu Beginn waren Elsener, Coutellerie Suisse (später Wenger Delémont) sowie Forges L & C Vallorbe. Es gab aber auch diverse kleinere Hersteller. Beim Soldatenmesser Modell 08 findet man ganz verschiedene Herstellerprägungen. Einige wurden beispielsweise mit der Abkürzung für den Verband Schweizerischer Messerschmiede SMV geprägt. Es gab aber auch Abkürzungen wie B, E oder W.

Victorinox (Elsener Schwyz) produzierte das Soldatenmesser Modell 08 während der gesamten Zeit. Gemeinsam mit Wenger Delémont wurde Victorinox schliesslich zum Hauptproduzenten der Soldatenmesser. Spätestens ab 1921, wohl aber schon früher, wurden von Seiten der Kriegsmaterial-Verwaltung nur noch diese beiden Hersteller berücksichtigt. Diese beiden Firmen hatten inzwischen eine Grösse erreicht, die es ihnen erlaubte, die Soldatenmesser in grossen Mengen und zunehmend automatisiert herzustellen, sodass dies auch wirtschaftlich rentabel war. Kleinere Betriebe konnten damit nicht mithalten. Es war insgesamt sicher ein Verdrängungskampf, bei dem sich zwei Hersteller durchsetzten. Gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch etliche Messerschmiede, nahmen diese kontinuierlich ab. Viele beschränkten sich zunehmend darauf, ein Geschäft für Messerwaren zu führen, in denen Taschenmesser von verschiedenen Herstellern angeboten wurden. Zusätzlich wurden Reparaturen durchgeführt. So wurden auch viele Soldatenmesser von kleineren Messerschmieden repariert und dabei Klingen oder Werkzeuge ersetzt. Die beiden grossen Hersteller Victorinox und Wenger belieferten die Messerschmiede mit Ersatzteilen, sodass diese die Reparaturen durchführen konnten. Noch immer gab es kleine Messerschmiede, welche aus den zugelieferten Teilen selber die Taschenmesser zusammenbauten und im Geschäft verkauften. Dabei wurden teilweise die Messerklingen mit dem eigenen Namen versehen. So ein Beispiel war der Messerschmied Elsener in Rapperswil. Dieser produzierte beispielsweise Werbemesser für grössere Firmen der Umgebung insbesondere für die Firma Caspar Honegger (RÜTI). Dabei verwendete er Bauteile von Victorinox, wählte jedoch für das Schalenmaterial oft Grilon, einen Kunststoff, den Victorinox nie verwendete.

Die Taschenmesser wurden nach Lieferung nach wie vor einer Kontrolle unterzogen und mit einem Kontrollstempel versehen. Zunehmend gab es Konkurrenz aus den umliegenden Ländern, welche Kopien von Soldatenmessern herstellten und zu einem günstigeren Preis anboten. Auf den ersten Blick sahen diese zum Verwechseln ähnlich, waren meist jedoch minderer Qualität. Dies führte immer wieder zu Problemen in der Schweizer Armee, da gewisse Militärangehörige solche Kopien mit sich führten, und diese dann bei Defekten in den Zeughäusern reparieren oder gegen „echte“ Soldatenmesser umtauschen lassen wollten. Deshalb beschloss das Militärdepartement 1915, nur noch Soldatenmesser mit dem Kontrollstempel zu berücksichtigen. Diese konnten gegen die Bezahlung von 1,50 CHF gegen sogenannte „aufgerüstete“ oder neue Soldatenmesser getauscht werden. Wenn der Einheitskommandant bestätigte, dass das Soldatenmesser bei einer dienstlichen Verrichtung ohne Selbstverschuldung defekt wurde, war der Umtausch gratis. Bei verlorenen Soldatenmessern betrug der Preis den vollen Tarifpreis von 2,50 CHF. Unter „aufgerüsteten“ Soldatenmessern waren solche zu verstehen, welche die Zeughäuser selber reparierten und beispielsweise ein Werkzeug oder die Schalen ersetzten. Dieser Beschluss galt ab 1916. Eventuell wurde in diesem Zusammenhang auch der Kontrollstempel verfeinert. Ab ungefähr diesem Datum wurden die Schalen nicht mehr mit einem einfachen Kreuz geprägt, sondern mit einem Kreuz in einem Kreis und den Buchstaben WK für Waffenkontrolle – einem viel komplexeren Prägestempel als zuvor. Gut möglich, dass man dieses einfache Kreuz – welches leicht zu fälschen war – wegen auftretenden Fälschungen durch einen komplexeren Stempel ersetzte.

Insgesamt waren die Soldatenmesser sehr populär, auch unter der zivilen Bevölkerung. Karl Elsener schrieb im März 1916 einen Brief an das Militärdepartement mit der Bitte, dass doch kontrolliert und gestempelte Soldatenmesser auch im Einzelhandel zum Verkauf angeboten werden durften. Offensichtlich war dieser Kontrollstempel ein wichtiger Grund für die Käufer, ein Soldatenmesser zu erwerben. Dies hatte sicherlich auch mit den billigen Ausführungen aus dem Ausland und der negativen Erfahrungen damit zu tun. Die eidgenössische Waffenkontrollstelle machte in einer Stellungnahme deutlich, dass sie diesen Vorschlag sehr begrüssen würde und fand, dass sowohl der Verband der Schweizerischen Messerschmiede als auch die anderen Verkaufsstellen, solche kontrollierte Soldatenmesser verkaufen sollten. Als Grund wurde angegeben, dass die Lieferanten der Soldatenmesser die von der eidgenössischen Kontrollstelle retournierten Messer (genügten nicht den Ansprüchen, waren fehlerhaft etc.) nicht wie eigentlich vorgesehen demontierten und reparierten, sondern einfach an die Messerschmiede und Verkaufsstellen zum Weiterverkauf weiterreichten, und dies zum Preis eines kontrollierten Soldatenmessers. Gleichzeitig tauchten in der Schweizer Armee viele Soldatenmesser anderer Hersteller von minderer Qualität auf (man rechnete mit ca. 10%), welche die Armeeangehörigen als Ersatz günstig kauften, aber von den Zeughäusern nicht umgetauscht, sondern als Ausschuss betrachtet wurden. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine grosse Anzahl Soldatenmesser der Lieferanten ohne den Kontrollstempel im Umlauf waren. Es wurde deshalb vorgeschlagen, eine Stelle innerhalb der Kriegsmaterial-Verwaltung einzurichten, bei der die Schweizer Armee die gestempelten Soldatenmesser in Kartons von 250 Stück zum vereinbarten Preis beziehen konnte, aber auch die Mitglieder des Verbands Schweizerischer Messerschmiede und die Wiederverkäufer ihre Soldatenmesser bestellen konnten. Durch diese Massnahme sollte erreicht werden, dass die Anzahl kontrollierter Soldatenmesser stieg und weniger Soldatenmesser mit geringer Qualität im Umlauf waren, welche schlussendlich Einfluss auf den Militärbetrieb hatten. Der Verband Schweizerischer Messerschmiede stellte kurz darauf ein Gesuch beim Militärdepartement, den Verkauf abgestempelter Soldatenmesser durch private Messerschmiede zuzulassen. Diese sollten für ca. 80 Rappen teurer verkauft werden, als die Zeughäuser sie an die Armeeangehörigen verkauften. Die Verteilung sollte der SMV übernehmen. 1916 war ein Kriegsjahr. Dem SMV ging es insgesamt darum, mehr Soldatenmesser verkaufen zu können. Er brachte als Argument, dass bei Kriegsbeginn plötzlich die Produktion von ca. 20.000 Stück im Jahr auf 65.000 Stück erhöht werden musste, um alle Militärangehörigen mit einem Soldatenmesser auszurüsten. Die Messerschmiede waren darauf nicht vorbereitet und es hatte lange gedauert, bis diese Kapazität erreicht war. Man rechnete damit, dass in Friedenszeiten der Bedarf an zivil gekauften Soldatenmessern ca. 20.000 Stück jährlich war, d. h. in etwa identisch mit der Anzahl des für das Militär produzierten Soldatenmessers. Sollte nun die Armee plötzlich (wie bei Kriegsbeginn) erneut viele Soldatenmesser benötigen, könnten sie auf die Lagerbestände der privaten Messerschmiede zurückgreifen. Schlussendlich wurde dem Gesuch stattgegeben.

Diese Vereinbarung sollte 1–2 Jahre gelten. Da sie sich aber bewährte, blieb sie erhalten. Die Kontrolle der Soldatenmesser übernahm die eidgenössische Waffenfabrik Bern (Abkürzung W+F), für den Vertrieb zeichnete die Verkaufsstelle der Schweizerischen Messerschmiede verantwortlich. Diese sollte allen Verkaufsstellen die Soldatenmesser zu Verfügung stellen, nicht nur den Genossenschaftsmitgliedern. Im Jahr 1926 stellte nun der SMV ein Gesuch bei der Kriegstechnischen Abteilung, dass auch Soldatenmesser aus rostträgem Stahl für den privaten Verkauf mit dem eidgenössischen Kontrollstempel zu versehen seien. Die Kriegstechnische Abteilung befürwortete diesen Vorschlag. Interne Testes hätten keine Nachteile gegenüber den Soldatenmessern aus Kohlenstoffstahl gezeigt. Durch die Unterstützung des SMV bei ihrem Anliegen sollten einerseits Arbeitsplätze in der Messerindustrie geschaffen und erhalten werden, andererseits erhoffte man weitere Erkenntnisse darüber, wie sich rostträger Stahl im Alltag bewährte. Da die Kosten pro Messer aus rostträgem Stahl 0,50 CHF höher waren als für Kohlenstoffstahl, wollte man zu jenem Zeitpunkt diese Soldatenmesser nicht für die Schweizer Armee erwerben, sondern zuwarten, bis dieser Stahl möglicherweise billiger wurde, um solche Soldatenmesser später offiziell einzuführen. Privat erworbene Soldatenmesser aus rostträgem Stahl konnten jedoch in der Schweizer Armee benutzt werden, sofern sie einen Kontrollstempel trugen. Diesem Gesuch wurde ebenfalls entsprochen.

 

Grundsätzlich lässt sich dadurch feststellten, dass ein Kontrollstempel wenig darüber aussagt, ob ein Soldatenmesser tatsächlich im Einsatz in der Schweizer Armee war oder nicht. Klar ist, dass ungestempelte Soldatenmesser nicht für den Militärdienst zugelassen waren. Soldatenmesser Modell 08 vor 1916 ohne Kontrollstempel sind entweder bei der Kontrollstelle durchgefallen und wurden anschliessend im Einzelhandel weiterverkauft, oder wurden nebenher für den Einzelhandel gezielt produziert. Da ungestempelte Soldatenmesser von den Zeughäusern abgewiesen wurden, verlangten die Kunden in den Geschäften zunehmend gestempelte Soldatenmesser. Als ab 1916 diese gestempelten Soldatenmesser auch für den Einzelhandel zugelassen waren, waren wohl zunehmend weniger ungestempelte Soldatenmesser von den Lieferanten Victorinox und Wenger im Umlauf. Für diese Stempel zahlten die Lieferanten der Kontrollstelle einen Beitrag.

Auch ist klar, dass zu Beginn des Ersten Weltkrieges der Bedarf an Soldatenmessern sprunghaft anstieg. Zu diesem Zeitpunkt wurden wohl alle Kapazitäten des SMV ausgeschöpft und alle halfen in der Produktion mit. Nach den Kriegsjahren ging der Bedarf aber wieder stark zurück.

Ab 1921 kamen zur Herstellerprägung noch die letzten zwei Ziffern des Produktionsjahres auf der Rückseite der Schneideklinge (eine 21 für das Produktionsjahr 1921). Dies ist bis heute so geblieben. Spätestens ab 1921 gab es nur noch zwei Produzenten des Soldatenmessers Modell 08, Victorinox und Wenger (für die Jahre 1956 und 1957 zudem noch der Hersteller Röthlisberger von Bärau).

Die Soldatenmesser waren sehr beliebt, da viele Personen durch die Armee damit in Berührung kamen und ihre Vorteile erkannten. Nach der Rekrutenschule nahm man diese Soldatenmesser nach Hause und konnte diese auch privat einsetzen; sie mussten aber bei den Wiederholungskursen dabei sein. In einem Katalog von Victorinox aus den 1930er-Jahren ist erkennbar, dass Victorinox die Soldatenmesser offiziell in unterschiedlichen Varianten anbot. Die Kriegstechnische Abteilung schrieb Victorinox und Wenger vor, die offiziellen Soldatenmesser mit Kontrollstempel für einen Fixpreis von 4,10 CHF im Einzelhandel zu verkaufen. Dies musste eingehalten werden. Der Einzelhandel konnte diese Soldatenmesser bei Victorinox mit einem Rabatt von 22% auf die 4,10 CHF beziehen (d. h. für 3,20 CHF). Der Einzelhandelspreis eines Soldatenmessers aus rostträgem Stahl betrug 4,80 CHF, d. h. plus 0,70 CHF gegenüber der Variante aus Kohlenstoffstahl). Daneben wurden beide Varianten auch ohne eidgenössischen Kontrollstempel angeboten, und zwar für ca. 0,20 CHF günstiger bei Kohlenstoffstahl und 0,30 CHF günstiger bei rostträgem Stahl. Daneben bot Victorinox noch eine fünfte Variante an, nämlich Soldatenmesser II. Wahl. Diese waren nicht mit einer Herstellerangabe gekennzeichnet, sondern lediglich durch die Gravur der römischen Zahl II. Diese kosteten den Einkäufer pro Stück 2 CHF, was ein erheblicher Nachlass gegenüber den 3,20 CHF des offiziellen gestempelten Soldatenmessers war. Es ist nicht davon auszugehen, dass Victorinox bewusst Soldatenmesser II. Wahl produzierte. Entweder waren dies Soldatenmesser, welche von der Kontrolle retourniert wurden, oder solche, welche beim Produktionsprozess aus diversen Gründen ausschieden. Diese Soldatenmesser II. Wahl hatten entsprechend auch nie einen Kontrollstempel.

In dieser Dokumentation werden alle fünf Varianten unter dem Überbegriff „Soldatenmesser Modell 08“ behandelt. Viele Sammler beschränken sich beim Sammeln auf die „originalen“ Soldatenmesser, so wie sie die Schweizer Armee bei den Lieferanten bestellte, d. h. mit Werkzeugen aus Kohlenstoffstahl und dem eidgenössischen Kontrollstempel. Wenn man unter „Soldatenmessern“ meint, dass diese Taschenmesser von Soldaten in der Schweizer Armee eingesetzt wurden und zur offiziellen Ausrüstung gehörten, dann geht dies eigentlich nicht weit genug. Denn grundsätzlich akzeptierte die Schweizer Armee alle Soldatenmesser mit dem eidgenössischen Kontrollstempel.

Eine Weisung des Armeekommandos von 1944 zeigt auf, dass es ein Problem mit dem Verschleiss von Soldatenmessern gab. Die Zeughäuser wurden darin aufgefordert, alle zurückkehrenden beschädigten Soldatenmesser aufzurüsten, sodass sie mit einem neuen Soldatenmesser gleichwertig waren, und diese bevorzugt an Armeeangehörige abzugeben, welche ihr Soldatenmesser verloren hatten oder deren Soldatenmesser defekt war. Der Preis betrug 3,85 CHF für ein verloren gegangenes Messer und 3 CHF für ein defektes Messer. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Preis für ein sogenanntes „aufgerüstetes“ und somit gebrauchtes Soldatenmesser 1 CHF oder 1,50 CHF.

Die Zeughäuser waren demnach in der Lage, alle Reparaturen an Soldatenmessern selbstständig durchzuführen. Die Ersatzteile hierfür bezogen sie von den Lieferanten.

 

Obwohl das Soldatenmesser Modell 08 während der Produktionszeit von 1908 bis 1950 die gleichen Anforderungen erfüllen musste und von der Konstruktion gleich war, gab es doch ein paar Varianten und Besonderheiten, welche im Folgenden aufgeführt sind

-       Werkzeugstahl: Kohlenstoffstahl von 1908 bis 1950; rostträger Stahl von 1923 bis 1950.

-       Prägestempel Hersteller: Elsener Schwyz für Soldatenmesser aus Kohlenstoffstahl von 1908 bis 1950; ab 1931: neue Schrift. Für Soldatenmesser aus rostträgem Stahl: diverse Prägestempel, u. a. Jnoxyd, SMV, Elsener Switzerland, Victoria Switzerland, Victorinox Switzerland Stainless, Victorinox; für die zweite Wahl: II.

-       Prägestempel mit Jahreszahl: von 1921 bis 1950. Ab ca. 1934 auch mit dem Zusatz P nach, vor oder unter der Jahreszahl. P stand für Privat und meinte, dass diese Soldatenmesser für den Einzelhandel gefertigt waren und nicht für die Schweizer Armee. Dabei gab es den Stempel P für Soldatenmesser aus Kohlenstoffstahl sowie auch für Messer aus rostträgem Stahl.

1921, im ersten Jahr mit der Jahreszahlprägung, gab es zwei Varianten: Jahreszahl auf der Rückseite der Schneideklinge, oder Jahreszahl auf der Vorderseite des Schraubendrehers.

-       Prägestempel auf der Schale: + von 1908 bis ca. 1915; WK+ von 1915 bis 1950. Zudem wurden auch die Schalen teilweise mit einem P geprägt. Der Grund dafür ist nicht klar. Es wird spekuliert, dass dies am Ende der Dienstzeit geschah, wenn das Soldatenmesser in den persönlichen Besitz überging. Dann gab es noch Reparaturstempel. Der erste Reparaturstempel war ein einfaches Kreuz, jedoch deutlich kleiner als der original Waffenkontrollstempel. Der spätere Reparaturstempel war ein Kreuz in einem Kreis in doppelter Ausführung. Diese Stempelung bedeutete, dass ein Soldatenmesser repariert worden war. Wahrscheinlich prägten die Messerschmiede diese Soldatenmesser entsprechend nach einer Reparatur, um damit aufzuzeigen, dass diese nicht mehr durch die eidgenössische Kontrolle gingen und entsprechend nicht für den Dienst in der Schweizer Armee zugelassen waren. Wenn ein Zeughaus eine Reparatur vornahm, konnten sie selber die Kontrolle durchführen und entsprechend entscheiden, ob das Soldatenmesser die Qualitätskriterien erfüllte oder nicht. Wenn dies der Fall war, stempelten sie diese wohl mit dem offiziellen eidgenössischen Stempel. So sieht man Soldatenmesser mit dem alten Stempel (vor ca. 1915) sowie dem neuen Stempel (nach ca. 1915). Dies kann bedeuten, dass eine offizielle Stelle die Reparatur durchgeführt und das Soldatenmesser als gut befunden hatte. Dabei handelte es sich wohl um sogenannte „aufgerüstete“ Soldatenmesser.

-       Verchromte/vernickelte Soldatenmesser: Soldatenmesser wurden auch durch eine Verchromung oder Vernickelung aufgewertet, die entweder nur die Werkzeuge oder alle Bauteile betraf. Wahrscheinlich haben dies private Messerschmiede durchgeführt. Dafür wurden die Soldatenmesser auseinander genommen und die Metallteile behandelt, um sie anschliessend wieder zusammenzubauen. Dadurch konnten Soldatenmesser aus Kohlenstoffstahl aufgewertet werden und waren fast gleichzusetzen mit den Soldatenmessern aus rostträgem Stahl. Dieses nachträgliche Verchromen/Vernickeln muss günstiger gewesen sein als der Erwerb eines neuen Soldatenmessers aus rostträgem Stahl. Es gibt keine Hinweise dafür, dass Victorinox selbst seine Soldatenmesser verchromte/vernickelte. Dieses Verfahren machte grundsätzlich so lange Sinn, bis der rostträge Stahl entwickelt war, d. h. vor 1923. Durch die Chrom- oder Nickelschicht wurde verhindert, dass sich Rost an den Werkzeugen bildete. Zudem glänzten die Bauteile sehr schön und die Reinigung war einfacher.

-       E-Stempel: Bei einigen Soldatenmessern Modell 08 tauchen Stücke mit einem geprägten E auf der grossen Schneideklinge auf. Es ist nicht klar, was dieses E genau zu bedeuten hat. Zudem gibt es unterschiedliche Varianten des E. Möglich ist, dass dieses E für Ersatz steht. Solche Klingen konnten von Zeughäusern verwendet werden, wenn sie eine Reparatur durchführten. Möglich wäre auch, dass dieses E für den Hersteller Elsener steht. Es gibt auch Messerklingen mit einem W oder mit einem B. Das W könnte für Wenger stehen, aber auch für „Wechselklinge“. Wahrscheinlicher wäre aber, dass die einzelnen Mitglieder des Vereins Schweizerischer Messerschmiede SMV durch diesen Buchstaben denjenigen Messerschmied kennzeichnen wollten, der die Soldatenmesser zusammenbaute. Der SMV hatte ja seine eigene Verkaufsstelle. So konnte man bei Defekten, welche an die Verkaufsstelle retourniert wurden, die Soldatenmesser dem entsprechenden Messerschmied zustellen. Wenn die Messerschmiede die Soldatenmesser selbst vertrieben, wollten sie wohl lieber ihren ganzen Namen als Hersteller auf den Klingen, und so wurde beispielsweise Elsener Schwyz geprägt.

Es gibt einige Soldatenmesser mit einer E-Schneideklinge, deren andere Bauteile diejenigen des Modells 1890 Typ II sind. Hier könnte es sein, dass noch alte Bauteile weiter verbaut wurden, oder aber eine Ersatzklinge mit der neuen Hechtform verwendet wurde.

Bei den Soldatenmessern treten verschiedene Stempel und Stempelkombinationen auf den Schalen auf. Ein einziger Waffenkontrollstempel deutet auf ein unverändertes originales Soldatenmesser hin (oder sollte zumindest so sein). Ein Soldatenmesser mit einem alten und einem neuen WK-Stempel kann darauf hinweisen, dass an diesem Soldatenmesser einmal eine Reparatur (nach ca. 1915) vorgenommen wurde, das Soldatenmesser aber wieder die Qualitätskontrolle erfolgreich durchlaufen hatte und somit nun den aktuellen WK-Stempel erhielt. Dies war ein sogenanntes „aufgerüstetes“ Soldatenmesser. Ein Reparaturstempel ohne WK-Stempel deutet auf mindestens einen Schalenwechsel hin, sowie darauf, dass dieses Messer nicht mehr für die Schweizer Armee zugelassen war. Meist wurde der Reparaturstempel doppelt aufgetragen, weshalb ist unklar. Das Vorhandensein eines Reparaturstempels mit WK-Stempel sagt aus, dass dieses Soldatenmesser repariert wurde (oft ein Klingentausch), ohne dabei das Messer mit neuen Schalen auszustatten. Dies war beim Wechsel der Schneideklinge gut möglich, ohne die Schalen zu beschädigen. Diese mussten für den Tausch auch nicht entfernt werden, sondern lediglich die mit Zinn aufgelöteten Backen.

Geschichte

Das Soldatenmesser Modell 08 stellte Victorinox von 1908 bis 1950 her. Zu Beginn gab es noch andere Mitfabrikanten, ab spätestens 1921 beschränkte sich seine Fertigung auf die beiden Hersteller Victorinox und Wenger. Während über 40 Jahren blieb dieses Soldatenmesser unverändert. Im Vergleich zum Vorgängermodell 1890 wurden bei Modell 08 viele Prozesse automatisiert und vereinfacht. Entsprechend gab es kaum mehr Abweichungen bei der Fertigung. Das Soldatenmesser war stets ein Massenprodukt. Es ging darum, diese Soldatenmesser möglichst günstig und einfach in der geforderten Qualität herzustellen. Die Schweizer Armee tat sich schwer damit, etwas an diesem Modell zu verändern, z. B. auf Werkzeuge aus rostträgem Stahl umzustellen.

Da das Soldatenmesser auch in der Zivilbevölkerung beliebt war, stellte Victorinox auch Soldatenmesser für den Einzelhandel her – mitsamt dem eidgenössischen Kontrollstempel.

Funktionsteile

Das Taschenmesser Nr. 200 Modell 08 verfügte über eine grosse Schneideklinge, eine Ahle, einen Schraubendreher sowie einen Büchsenöffner. Für den Einzelhandel wurde das Modell auch mit der Option Bügel/Schlüsselring hergestellt. Bei den von der Schweizer Armee bestellen Soldatenmessern waren alle Werkzeuge aus Kohlenstoffstahl gefertigt. Für den Einzelhandel stellte Victorinox auch Soldatenmesser aus rostträgem Stahl her.

Materialstärke

Grosse Schneideklinge: 3,7 mm; Schraubendreher: 3,0 mm; Büchsenöffner: 3,0 mm; Ahle: 2,0 mm. Dabei gab es eine Toleranz, welche so von der Kriegsmaterialverwaltung akzeptiert wurde.

Das Soldatenmesser wog ca. 125 Gramm.

Aufbau

Das Soldatenmesser Nr. 200 Modell 08 war ein zweilagiges Taschenmesser. Um die Kopfniete drehten sich die grosse Schneideklinge und der Schraubendreher, um die Fussniete die Ahle und der Büchsenöffner. Eine Mittelniete fixierte die Rückenfedern.

Schalenmaterial

Victorinox verwendete als Schalenmaterial für dieses Soldatenmesser rote Vulkanfiber.

Platinen/Zwischenlage/Niete

Für das von der Schweizer Armee bestellte Soldatenmesser bestanden Mittelplatine und die Nieten aus Stahl, die Zwischenlage aus Messing. Für Soldatenmesser aus rostträgem Stahl für den Einzelhandel wurden auch Nieten aus Messing verwendet.

Handelsname(n):Soldier, Soldatenmesser 08

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